Er ist des Deutschen liebstes Auto (zumindest laut Zulassungszahlen) und Begründer einer nach ihm benannten Fahrzeugklassen. Die Rede ist natürlich vom VW Golf. Aktuell ist er seit 2012 in der 7. Generation auf dem Markt erhältlich und seit seiner Einführung läuft statistisch gesehen alle 40 Sekunden ein neuer VW Golf vom Produktionsband. So gesehen kann man den VW Golf durchaus als vom Erfolg verwöhnten Kerl betrachten.

Seit der Diesel-Gate Affäre um den Volkswagen Konzern leidet auch das Aushängeschild der Marke unter der schlechten Presse im Bereich seiner Kundschaft. Was macht man also wenn man leidet? Richtig, man gönnt sich eine kleine Erholungs- bzw. Frischzellenkur. So auch der VW Golf.

Bis zur achten Generation VW Golf dauert es wohl noch gut zwei Jahre, somit haben die Väter des Golf in Wolfsburg ihren Schützling auf Kur geschickt. Das Resultat ist optisch nur für Kenner in seinen ummodellierten Stoßfängern an Front und Heck anzusehen. Mit Chromzierrat an der Front und aus einer Chromleiste geformten Auspuffenrohrattrappen steht er nun da und blickt nun optional aus Voll-LED Scheinwerfern nach vorne. Seine Radarnase ist nun auch geschützt und unsichtbar hinter dem großen Volkswagen Logo untergebracht. Dadurch wirkt die Front glatter, fast wie nach einer Botox Behandlung. Damit auch das Heck der Außenwelt optisch schnell als Neuerung zu erkennen gegeben werden kann, verfügen nun alle VW Golf Modelle auch über Voll-LED Licht Elemente in den Rücklichtern. Doch während der Hatchback sich mit dynamischeren Lichtpunkten aggressiv zeigt, dürfen die braven Variant-Modelle nur aus sanfteren Lämpchen den Popo in Szene setzen.

Wurde äußerlich bereits sanft geliftet, sieht es im Innenraum nicht anders aus. Einzige Auffälligkeit sind hier die komplett neuen Multimediasysteme. Da sich der VW Golf nun aus dem neuesten Infotainmentbaukasten (MIB) bedienen darf, konnten die Techniker aus dem vollen schöpfen. Resultat sind neue größere und hochauflösende Displays in den Größen 6,5 bis 9,2 Zoll. Die beiden Navigationssysteme Discover Media und Discover Pro wurden nun sogar hinter Glas gesetzt. Durch die beschichtete Glasfläche wirkt das System nicht nur deutlich edler, sondern auch Knöpfe wurden gleich mal weggelassen. Die Bedienung erfolgt nun wie bei einem Tablet. Neu ist nun jedoch beim Navigationssystem Discover Pro erstmals in der Kompaktklasse die Bedienung mittels Geste. Leider wurde hier keine vollständige Gestensteuerung umgesetzt, wie etwa im BMW 7er, sondern einzig eine Wisch-Geste ermöglicht das Blättern in einzelnen Menüs. Die Auswahl erfolgt dann weiterhin über Touch auf das Display oder direkt via Spracheingabe.

Enttäuscht die Gestensteuerung, begeistert dafür das verfügbare und aus dem VW Passat bekannte volldigitale Instrumentenkombi (Active Info Display). Mit Hilfe eines hochauflösenden 12,3 Zoll großen Displays hinterm Lenkrad können nicht nur die Fahrdaten abgerufen, sondern auch die Navigationskarte angezeigt werden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit sich individuell seine wichtigsten Informationen darstellen zu lassen. Wer es klassisch mag, kann entweder bei den Analoginstrumenten bleiben oder sich diese digital anzeigen lassen.

Ein weiter Vorteil der nächsten Ausbaustufe aus dem Infotainmentbaukasten ist eine weiter verbesserte Digitalisierung und Vernetzung des VW Golf. Wer dies möchte kann fast schon mit seinem Auto rund um die Uhr mittels App kommunizieren (Standort, Füllstände oder den Verriegelungszustand abrufen). Zudem kann der Golf auch mit seinem Besitzer Kontakt aufnehmen, wenn zum Beispiel der jugendliche Sohn mit Papas Auto ein vorgegebenes Gebiet oder Tempolimit überschreitet. In diesen Fällen verschickt der Golf eine SMS an seinen Besitzer und informiert ihn über den Verstoß des Zöglings.
Die wichtigste Neuerungen hingegen betreffen in meinen Augen den Bereich Sicherheit und Assistenz. So verfügt der VW Golf über einen verbesserten Emergency Assist, der im Fall eines medizinischen Notfalls des Fahrers den Wagen automatisch und sicher zum Stillstand bringt und auch selbstständig Hilfe ruft. Ebenfalls kann nach einem Unfall mit Auslösen der Airbags automatisch die Position, die vermutliche Unfallschwere und Anzahl an Fahrzeuginsassen an eine Notrufzentrale verschickt werden. Diese versucht anschließend mit den Insassen durch eine komplett Handy unabhängige Kommunikationseinheit im Fahrzeug mit den Verunfallten in Kontakt zu treten.

Damit es aber nicht erst soweit kommt, besitzt der VW Golf nun eine nochmals gesteigerte Anzahl an Assistenzsystemen. So wurde der automatische Notbremsassistent (Front Assist) um eine Fußgängererkennung ergänzt und schützt so nicht nur den Fahrer sondern besonders das Umfeld des VW Golf. Erstmals ist nun auch ein Stauassistent für den VW Golf verfügbar, der bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h teilautonom das Fahrzeug führen kann und dadurch den Fahrer entlastet.

Viel Technik und Sicherheit also, doch wie sieht es unter der Haube aus?

Hier haben die Ingenieure in Wolfsburg einem Bauteil besondere Aufmerksamkeit geschenkt, dem Doppelkupplungsgetriebe DSG. So wird nun das alte 6-Stufen DSG schrittweise auf die moderne 7-Gang Version umgestellt. Besonders der Fahrkomfort wird deutlich gesteigert. Auf den ersten Fahrten auf der Insel Mallorca konnte das Getriebe mit weicheren Schaltvorgängen und einer passenderen Gangspreizung überzeugen. Neben dem Geräuschpegel auf der Autobahn sinkt durch den zusätzlichen Gang auch der Verbrauch bei schnellerer Fahrweise um bis zu 0,3 l/100km im Praxisbereich laut Volkswagen.

Neben dem neuen DSG wird auch das 1.4 TSI Triebwerk nun durch ein ebenso modernes Aggregat ersetzt. Der im Hubraum leicht größere 1,5l TSI Motor verfügt zwar nominell über die identischen Leistungsdaten wie sein Vorgänger, arbeitet aber dank erhöhtem Einspritzdruck (350 statt 200 bar) ruhiger. Die Kraftentfaltung ist angenehm gleichmäßig was den Motor zu einem angenehmen Alltagsantrieb macht. Durch die Zylinderabschaltung im Teillastbereich auf nur 2 Zylinder bleibt der Spritdurst im Rahmen. Auf meinen Testfahrten mit dem 1.5 TSI Variant Handschalter, kam ich bei flotter Fahrweise mit rund 7,5 l/100km aus, was durchaus vorzeigbar ist.
Wem das noch zu hoch ist, kann entweder zu einem 5 Dieseltriebwerke, der Erdgasvariante oder den elektrifizierten Brüder GTE oder e-Golf greifen. Für Technikfans gibt es aber im Sommer noch eine weitere Antriebsversion, der man Beachtung schenken sollte. Auf dem neuen 1.5 TSI wird Volkswagen eine leistungsreduzierte Blue Motion Version einführen, die es in sich hat. Durch ein neues Brennverfahren (Miller-Cycle) mit deutlich erhöhter Verdichtung und einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie dürfte der Motor spritziger wirken. Damit der Verbrauch noch weiter gesenkt werden kann, wird der Motor im Segelmodus bei DSG-Modell sogar komplett ausgeschaltet! Diesen Vorgang kennt man bislang nur von Hybridmodellen, doch im reinen Benziner ist diese Technik nicht nur schwer umsetzbar sondern auch einmalig.
Da dieser Motor leider erst Mitte des Jahres erhältlich sein wird, kann ich hier noch keine Aussage treffen wie sich dieser Antrieb in der Praxis verhält.

Dafür konnte ich auf meinen Testfahrten auf der Insel der Deutschen jedoch das Fahrwerk des VW Golf wieder einmal in Aktion erleben. Es ist immer wieder eine Freude, wie sauber ausbalanciert der VW Golf sich bewegen lässt. Ob flotte Kurvenfahrten oder Passagen mit schlechtem Untergrund, der Golf hat stets die passende Antwort parat. Wer dieses Gefühl noch einmal steigern will, dem sei das adaptive Dämpfersystem DCC wärmstens ans Herz gelegt. Durch das einstellbare Fahrwerk kann der Fahrer noch präziser den Golf auf seine persönlichen Bedürfnisse und den gerade notwendigen Einsatzbereich abstimmen.

Nach einem Tag mit dem überarbeiteten VW Golf steht schnell fest, dass Volkswagen sein Aushängeschild in eine gute Heilanstalt zur Regeneration geschickt hat. Zwar sind einzelne Neuerung entweder kaum erkennbar (die Optik) oder überflüssig (Gestensteuerung), aber die Basis wurde nachhaltig verbessert. Die Mitbewerber haben es also wieder etwas schwerer nun mit dem VW Golf mithalten zu können, besonders wenn es um die Bereiche Vernetzung und Assistenz geht.

Technische Daten zum VW Golf Variant 1.5 TSI:

Motor

1,5 l Vierzylinder Turbo Benziner

Leistung

110 kW (150 PS) // 250 Nm

0 – 100 km/h

8,7 s

Vmax

218 km/h

Verbrauch lt NEFZ

5,2 l/100km // 119 g/km CO2

Leergewicht

1.360 kg

Kofferraumvolumen

605 – 1.620 ltr

Tankvolumen

50 Liter

Basispreis (Comfortline)

26.175 Euro

Testwagenpreis

ca. 38.500 Euro

Hier gehts zur Mitfahrt im VW Golf 2017:

Auch meine Blogger-Kollegen haben für Euch Ihre Meinung parat:

Bei Motoreport wurde ebenfalls der VW Golf 1.5 TSI getestet, jedoch in der Hachback Version.

Auch mein Kollege Jan Weizenecker von der-Autotester war auf Mallorca unterwegs und schildert Euch seine Eindrücke zum FaceLift des VW Golf 7.

Bernd Conrad von AUTONOTIZEN konnte auf der spanischen Insel den VW Golf fahren.

Comment (1)

  1. […] machen. Auch am Heck bekommt man nun schon in der Basisvariante LED-Rückleuchten (Auch beim Golf Kombi, Halogen kann man sich bei dem coolen Look in der Dämmerung gar nicht mehr vorstellen), in den […]

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