BMW 335d xDrive Touring im Test

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Wer einen Kombi der gehobenen Mittelklasse sucht, bei dem fällt die Wahl oft auf eines der Modelle aus den Konzernen Audi, BMW und Mercedes. Sowohl Audi A4 Avant, als auch BMW 3er Touring und Mercedes C-Klasse T-Modell sind nicht die geräumigsten Vertreter ihrer Zunft, dafür aber meist die Wertigsten und vor allem die mit dem höchsten Image.
Genau darum geht es den meisten Käufern dieser Fahrzeuge bekanntlich auch, da sie darauf hin deuten, dass der Vertreter für Staubsauger seinen Job besser macht, als sein Nachbar, der „nur“ mit einem Ford Mondeo seine Turnbeutel versucht an Mann und Frau zu bekommen.
Doch es gibt auch noch einen weiteren Kundenkreis und gerade dieser sucht ebenfalls bewusst nach diesen Kombis. Dies sind meist Freizeitaktive oder aber junge Familien, bei denen der Mann sich nach etwas sportlichem sehnt, aber einen gewissen Platzbedarf nicht außer Acht lassen darf.
Für genau diese Kundschaft bietet BMW ein derzeit konkurrenzloses Produkt an, den BMW 335d xDrive Touring.

Warum er konkurrenzlos ist?
Dies liegt am Antrieb unter der Motorhaube des Bajuwaren. Denn hier werkelt ein Dieseltriebwerk mit 313PS, gegen welches weder Audi noch Mercedes ein Gegenstück bietet.

Karosserie / Innenraum:
IMG_4686Doch beginnen wir erst einmal damit uns den Kombi genauer an zu sehen, um dann fest zu stellen, dass dieser Touring nicht ganz den üblichen Vertreterkombis aus der 3er Baureihe entspricht. Dies liegt am hier verbauten, aufpreispflichtigen, M Sportpaket. Dies lässt den Touring deutlich maskuliner daher kommen, durch die vielen Sicken und Kanten in der Front- und Heckschürze hebt sich der Kombi merklich ab. Durch die adaptiven Xenonscheinwerfer und das LED-Tagfahrlicht im Augenringdesign, lassen den Touring zusätzlich grimmig auf den Vordermann blicken. Dies sorgt für das oftmals gewollte Überholprestige 😉
Im Innenraum ist der BMW 335d mit dem jedes anderen Tourings identisch, mit Ausnahme der M-Embleme an Einstiegsleisten und dem tollen M Sportlenkrad. Gerade dieses Lenkrad, sei allen Kunden wärmstens empfohlen, da es optisch schöner wirkt und mit dem dickeren Lenkradkranz besser in der Hand liegt. Auch das bessere, weichere Leder sorgt für eine gesteigerte Haptik, die der 3er BMW dringend benötigt…
Ja, die Haptik ist derzeit das größte Manko an den BMW Modellen unterhalb des 5ers. Denn hier merkt IMG_4675und riecht (!!) man einfach, dass BMW nicht die hochwertigsten Materialien verwendet. Selbst bei diesem jungen Fahrzeug roch es extrem nach billig ausdünstenden Kunststoffen und nicht angenehm nach dem verbauten Leder im Innenraum. Die Spaltmaße sind rundum passend, wobei einzelne Verklebungen der Karosserieteile unschön ausgeführt wurden und sogar Luftblasen aufwiesen.
Die Platzverhältnisse sind rundum ausreichend für 4 Personen, die optionalen Sportsitze seien jedem Freund von Dynamik ebenso ans Herz gelegt, als auch Langstreckenfahrern. Sie bieten tollen Seitenhalt und dank ausziehbarer Schenkelauflage auch für Großgewachsene ausreichende Verstellmöglichkeiten. Einzig die Lordosenstütze sollten Rücken geplagte Zeitgenossen noch ordern.
Mit auf die Aufpreisliste sollte man noch das schnell und zuverlässig arbeitende Navigationssystem Professional mit aufnehmen. Der Aufpreis von ~3.000€ ist zwar sehr happig, aber wer noch das ConnectedDrive Paket zur Vernetzung mit ordert, für den bleiben keine Wünsche mehr offen. So kann der Nutzer das Fahrzeug mit einzelnen Features via Smartphone App kontrollieren, sich Routen ins Navigationssystem schicken oder aber auch mal im Internet surfen. Die Bedienung des gesamten Multimediasystems ist dank des verbauten iDrive Systems intuitiv und leicht verständlich, oder aber mittels Sprachbefehlen zu erledigen.

Motor / Getriebe:
IMG_4669Doch kommen wir zum eigentlichen Highlight dieses Fahrzeugs, dem Motor.
Dieser 3,0l Reihensechszylinder Turbodiesel wird im Falle des 335d von 2 Ladern zwangsbeatmet. Das Resultat dieser Leistungskur sind 313PS und ein maximales Drehmoment von 630Nm.
In der Praxis bedeutet dies, dass der Motor einfach unheimlich kräftig nach vorne anschiebt. In 4,9s soll es laut Werk auf Tempo 100km/h gehen, was durchweg glaubhaft ist, wenn man einmal erlebt wie brachial der Motor den 1,8t schweren Kombi nach vorne katapultiert. Ab 1.300U/min baut sich die Kraft langsam und stetig auf um dann bis zur Drehzahl von ~4.800U/min ihre Leistungsspitze zu erreichen. Im Bereich von 1.500U/min bis 4.500U/min fühlt sich der 6-Ender einfach pudelwohl und schafft es so, dem Fahrer ein konstantes Grinsen ins Gesicht zu treiben, wenn dieser das Gaspedal im Sport-Modus entschieden zum Bodenblech drückt. Selbst bei über 200km/h schiebt der BMW 335d immer noch mit Nachdruck nach vorne und so sind die 250km/h schnell erreicht, bei der die Elektronik die Einspritzung zurück nimmt und so den Heizölkombi nicht noch weiter marschieren lässt, auch wenn es dieser noch locker könnte.
IMG_4679Die Klangkulisse ist dabei ebenfalls ein Genuss, und ja, wir reden hier immer noch über einen Selbstzünder und Nein, es ist kein Soundgenerator verbaut! Mit rauchiger und kerniger Stimmlage hämmert der Sechszylinder eine absolut passende Komposition aus Basstönen raus, dass es eine wahre Freude ist. Liebe BMW-Ingenieure, danke für diesen Motor und dieses tolle Sounddesign!
Leistung und Klang sind also hier absolut eine Einheit und auch eine weitere Komponente gehört noch zu einer perfekten Antriebseinheit, das Getriebe.
Auch hier haben die Münchner einen absoluten perfekten Gesellen für ihre Dieselrakete gefunden, in der ZF 8-Stufen Automatik.
Diese wechselt, in der hier verbauten Sportautomatikversion, die Gänge ähnlich schnell und ohne merkliche Zugkraftunterbrechung wie ein Doppelkupplungsgetriebe, bleibt aber auch bei ruhiger Fahrweise dank des Wandlers stets gelassen. So sind bei ruhiger Fahrt die Schaltvorgänge kaum spürbar und sorgen so für einen angenehmen Alltagskomfort. Ebenso gelungen ist auch die Spreizung der einzelnen Fahrstufen. So ergibt sich immer der optimale Anschluss und der 8.Gang ist angenehm lang ausgelegt. Als Beispiel seit hier nur erwähnt, dass der Motor mit gerade einmal 2.800U/min bei Tempo 200km/h läuft, was schon sehr beeindrucken ist.
So hilft die Automatik nicht nur das Geräuschniveau zu senken, sondern auch den Kraftstoffverbrauch in ein erträgliches Maß zu bekommen.
Ich kam auf knapp 1.300km mit meist zügiger Autobahnfahrt, auf einen sehr respektablen Wert von 7,7 l/100km. Wer es ruhig angehen lässt, der schafft auch durchaus Werte zwischen 6 und 7l.

Fahreigenschaften:
IMG_4660Neben einem potenten Motor und einen sportlichen Äußeren, braucht es natürlich auch ein Fahrwerk, welches dem Motor gerecht wird.
Zwar würde man vermuten, dass der Kunde mit dem M Sportpaket auch ein entsprechendes Sportfahrwerk erhält, doch da täuscht man sich leider. BMW liefert den 335d Touring leider auch mit dem sportlichen Exterieur, nur mit dem Standardfahrwerk aus. Grund hierfür ist der serienmäßig verbaute Allradantrieb xDrive, welcher leider nicht mit dem M Sportfahrwerk kombiniert werden kann. Einzige Option, das adaptive Fahrwerk ohne Tieferlegung.
Im Falle des Testwagens, musste ich jedoch mit dem Serienfahrwerk vorlieb nehmen. Dieses schlägt sich jedoch erstaunlich gut. Hinsichtlich sportlicher Fahrweise, überzeugt das Fahrwerk mit der nötigen Straffheit und einer nur geringen Seitenneigung bei schneller Kurvenfahrt. Zudem bleibt der Wagen dank der breiteren Bereifung lange neutral, schiebt dann nur leicht über die Vorderachse, was sich jedoch mit einem kleinen Gasstoß schnell beheben lässt. Dann verteilt der intelligente xDrive die Kraft noch einmal neu und schwupps, zieht sich der schwere Touring sauber und mit optimaler Traktion aus der Kurve heraus. So muss ein gewohnter Heckantriebslenker durchaus erst einmal etwas umdenken, denn es geht zwar etwas langsamer in die Kurve hinein, dann aber um so früher und schneller wieder aus dieser heraus.IMG_4663
Während das Fahrwerk also die sportliche Gangart gut verträgt, kann dies die serienmäßige Servotronic leider nicht. Die Lenkung ist zwar angenehm direkt, aber leider zu leichtgängig und auch zu synthetisch in ihrer Arbeitsweise. Dies führt all zu oft zu unsauber gefahrenen Kurven, da der Fahrer zu oft den Kurs nachkorrigiert, da ihm schlicht die Rückmeldung fehlt um den Wagen optimal positionieren zu können. Hier also eine klare Kaufempfehlung für die optionale variable Sportlenkung, die deutlich besseres Feedback vermittelt und so ein präziseres einlenken ermöglicht.
Im Alltag hingegen erfreut man sich an der leichtgängigen Lenkung, die besonders in der Stadt beim Ein- und Ausparken keinen besonderen Kraftaufwand nötig macht. Konnte das Fahrwerk bei sportlicher Fahrweise noch überzeugen, kann es dieses nicht ganz im Alltag. Der Grund liegt darin, dass es kurze Stöße trocken und kaum gefiltert weiter reicht. Dadurch entstehen zum einen unschöne Geräusche und bei häufig auf einander folgenden Fugen, beginnt das Heck etwas zu hoppeln. Lange Wellen oder kleinere Unebenheiten hingegen, bügelt die Dämpfung noch gut aus.
IMG_4678Bei Autobahnhatz dann, arbeiten Fahrwerk und Lenkung gut zusammen, was gerade in diesem Einsatzgebiet überzeugt. Die etwas indirekte Lenkung und das straffe Fahrwerk lassen den 335d sauber in der Spur halten, auch in lang gezogenen Kurven mit Tempo über 200km/h wirkt alles sicher und gut beherrschbar.
Wenn BMW jetzt noch zur Modellüberarbeitung die lästigen Windgeräusche loswerden würde, die sich ab 160km/h beginnen zu entwickeln, dann wäre der 335d uneingeschränkt für lange Autobahnetappen zu empfehlen. Doch im aktuellen Stand hingegen, muss man klar sagen, dass es verdammt laut im Innenraum ist. Das Radio muss ebenso wie die Navigationsstimme, deutlich in der Lautstärke nach oben geschraubt werden und eine Unterhaltung mit dem Partner wird nur auf das Nötigste reduziert bzw. mit dem Fond komplett eingestellt …

Fazit:
Trotz der Sonderstellung des BMW 335d xDrive Touring, bleibt ein zwiespältiger Eindruck haften. Geprägt wird der Eindruck jedoch nachhaltig von dem tollen Reihensechszylinder Dieselmotor. Dieser powert einfach in jeder Lebenslage kräftig und die tiefe Tonlage überzeugt auch Kritiker.
Beim Fahrwerk braucht es aktuell einige aufpreispflichtige Extras wie das adaptive Fahrwerk oder die variable Sportlenkung, um dem sportlichen Charakter des Fahrzeuges noch einmal gerechter zu werden. Die Materialanmutung und die extrem hohen Innengeräusche, hoffe ich, bekommt BMW mit der Modellüberarbeitung im Herbst wirksam in den Griff. Wenn ja, dann steht der Bestellung eigentlich fast nichts mehr im Wege, außer dem hohen Aufpreis zum kaum schwächeren Bruder mit nur einem Turbolader, dem BMW 330d.
Und genau für den würde ich mich als Heckantriebsversion entscheiden und 5.000€ sparen, bzw. diese in Ausstattung und das Performance Kit von BMW investieren 😉

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Die Daten zum Test:

Motor 3,0l Reihensechszylinder Bi-Turbo Diesel
Leistung 313PS // 630Nm
Testverbrauch 7,7 l/100km
Streckenprofil 10% Stadt // 70% BAB (160-200km/h) // 20% Überland
Beschleunigung 4,9s auf 100km/h
Topspeed 250km/h abgeregelt
Testwagenpreis 72.420 €

Hier noch ein kurzes Beschleunigungsvideo zum BMW 335d xDrive Touring:

Hier ein Point of View Drive on Bord des BMW 335d xDrive Touring:

Comment (1)

  1. […] BMW 335d xDrive Touring im Test, gefunden bei ubi-testet.de (0.3 Buzz-Faktor) […]

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