Testbericht – Mini Cooper SD 5-Türer

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Der neue Mini in seiner 3. Widerauflage unter der Regie der Marke BMW, mit der internen Bezeichnung F56, ist nun seit knapp 1 Jahr auf dem Markt und findet wieder den üblichen Absatz, wie dies das iPhone von Apple auch kann.
Eigentlich kann man beides recht schön miteinander vergleichen. Denn was Apple im Handybereich ist, ist Mini im Automobilbereich. Der Mini ist stylisch, kostet sehr viel und bietet dafür verhältnismäßig wenig. Dafür bietet liebt ihn aber seine eingeschworene Fan-Gemeinschaft.
Doch nun hat man in München festgestellt, dass die Kunden den normalen Mini zwar weiter unnachgiebig nachfragen, aber es einen großen Kundschaftsbereich gibt, die es trotz der kompakten Abmessungen (3,85m beim Hatchback) ein wenig praktischer wollen. Also hat man sich in der bayerisch-britischen Abteilung der BMW Group Gedanken gemacht und heraus kam

Der neue Mini 5-Türer

Die Karosserie des Hatchback hat man bis zu B-Säule komplett übernommen und dann etwas gestreckt auf nun knapp über 4m Länge. Der Radstand wuchs dabei ebenso, wie die Höhe und die innere Breite (61mm). Diese winzige Zuwachs im Innenraum, schien den Entwicklern des Mini 5-Türer genug Raum, um auf der Rückbank nun einen 3. Gurt samt Kopfstütze unter zu bringen.
Doch wer soll bitte in der Mitte sitzen … ?!
IMG_4396Die Frage stellte ich mir in der Tat immer wieder während meiner Testzeit mit dem Cooper SD 5-Türer. Denn sobald sich jemand durch die aberwitzig engen Türausschnitte in den Fond gequält hatte, war zwar etwas mehr Knieraum für ausgewachsene Erdlinge vorhanden, doch Platz für eine 3. Person auf der Rückbank war nicht vorhanden. Bereits 2 Erwachsene Personen kuscheln schon innig mit einander auf der Fondbank und wie da jetzt noch eine 3. Person Platz finden soll, bleibt ein Mysterium für Ayman Abdallah. Also bitte liebe Leute bei MINI, erklärt mir doch einmal was ihr euch dabei gedacht habt …
Der Innenraum an sich ist nun im Vergleich zum Vorgänger deutlich erwachsener geworden, ohne merklich mehr Raum gewonnen zu haben. Es sitzt sich angenehm tief, die Rundumsicht im 5-Türer ist eingeschränkter als im Hatchback und die Türausschnitte vorne sind bedingt durch die zwei hinteren Türen, auch schmaler geworden, was das Ein- und Aussteigen zu einer Gymnastikübung für etwas fülligere Leute, wie mich, macht.
Ein sehr ratsames Extra für Mini-Käufer ist zudem das el,Glasdach. Denn wer einmal mit nem Mini vor einer roten Ampel an der Haltelinie stand, merkt schnell, dass die Sicht auf diese dank der sehr steil stehenden Windschutzscheibe gleich null ist. Also blickt man eben durch das Dach an die Ampel …
Die Verarbeitung ist nun endlich der Preisklasse (hier knapp 40.000€) angemessen, wobei die Spaltmaße immer noch mini-typisch ungenau sind. Aber die verbauten Materialien sind nun deutlich angenehmer in der Haptik und alles wirkt etwas aufgeräumter. Grund hierfür ist auch, dass der riesige Pizza-Tacho der Vergangenheit angehört und nun auf die Lenksäule in ein eigenes Instrumentengehäuse gewandert ist.
Neu ist auch der erstmals verbaute iDrive Controller aus den BMW Modellen. Leider ist die Bedienung auf Grund der verbauten Armauflage für Personen mit langen Armen ein Graus, da es hier zu starken Verrenkungen des Handgelenkes kommt. Die Handbremse ist zudem auch nicht wirklich bedienbar, da der Hebel sehr schnell an der Armauflage anstößt.
So merkt man schnell, dass MINI sich hier einfach treu geblieben ist und weiterhin kein ergonomisch optimales Auto wird. Wer so etwas sucht, der muss bitte auch weiterhin zum VW Golf greifen.IMG_4400
Eine Neuheit in der Kompaktklasse stellt jedoch das aufpreispflichtige Head-Up Display im Mini da. Eine kleine Scheibe fährt aus dem Armaturenträger aus, in welcher alle Fahrrelevanten Daten dargestellt werden (Navihinweise, Geschwindigkeit, Telefoninfo, Radioinfo). Eigentlich ist das schon eine feine Geschichte, aber mit den Systemen aus den größeren BMW Modellen nicht vergleichbar, die ihre Informationen in der Windschutzscheibe einblenden. Das günstigere System liegt einfach zu weit im unteren Sichtfeld, weshalb ein ablesen nur mit einem deutlichen Blick weg von der Straße möglich ist. Somit ist der Hauptvorteil des Head-Up Display eigentlich schon dahin, da gerade der Blick auf der Straße bleiben sollte, dies aber durch die Bauart nicht möglich ist. So kann man sich dieses 500€ teure Extra eigentlich getrost sparen.
Beim Navigationssystem sollte man hingegen nicht sparen, da das neue System dem BMW Navigationssystem Professional fast identisch ist, schnell arbeitet und mit einen großen 8,8″ Display unheimlich schön und hochwertig in den Mini passt. Das Handy koppelt sich easy und flott via Bluetooth und Audiostreaming ist auch problemlos via Blauzahn oder USB-Kabel möglich.

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Unter der Motorhaube mit der Lufthutze steckt hier kein Cooper S Benziner, wie das S im Kühlergrill einen glauben lässt, sondern der Top-Diesel des kleinen Briten.
Dieses Triebwerk ist ein in der Leistung reduziertes 2,0l 4-Zylinder Turbodieselaggregat, welches so auch im BMW 120d arbeitet. Im Mini wurde der Motor nur etwas in der Leistung auf 170PS und 360Nm „gedrosselt“. Grund dürfte hier zunächst an der Antriebsart mit Frontantrieb liegen und als nächstes an den verbauten Getrieben, die mit mehr Drehmoment wohl nicht dauerhaft klar kommen würden.
Im Alltag schlägt sich der starke Heizölbrenner angenehm kräftig mit ordentlichem Drang nach vorne. Leider leidet der Motor an stärkeren Vibrationen, die unterhalb von 1.400U/min recht deutlich im Lenkrad spürbar sind. Neben dieser Unschönheit, klingt der Selbstzünder auch akustisch wie für seine Gattung typisch rau und etwas unruhig. Hier hätte Mini durchaus einen Soundgenerator verpflanzen können, um hier ein etwas sportlicheres Gefühl aufkommen zu lassen, welches zum starken, roten „S“ im Kühlergrill passt.
IMG_4392Wer den Motor stetig im Bereich von 1.600 – 3.600U/min hält, der wird erstaunt sein, wie viel Spaß selbst ein Diesel im Mini machen kann. Hier stürmt der kleine Brite ungestüm nach vorne und die Vorderräder ringen nach Grip.
Beim größten Vorteil eines Selbstzünders, dem Verbrauch, scheint der Cooper SD noch etwas Nachhilfe zu brauchen. Zwar sind ermittelte 5,9 l/100km nicht schlecht, aber eben für ein so kleines Fahrzeug recht viel. Wer es sehr flott angehen lässt, dem werden aber trotzdem selten mehr als 7l auf dem Bordcomputer angezeigt. Bei ruhiger Fahrweise im „GREEN“-Mode kann man durchaus mit einer 4 vor dem Komma vorlieb nehmen. Doch so bald es mal wieder etwas flotter voran geht, ist diese schöne Zahl auch schon wieder dahin …
Am, vom japanischen Zulieferer Aisin kommenden Getriebe, liegt der erhöhte Verbrauch aber sicherlich nicht im vollen Umfang. Denn gerade das neue Getriebe kann nun effektiv Kraftstoff sparen mit Hilfe einer Segelfunktion im Green-Mode. Zudem beweist das Getriebe seine sportlichen Talente mit schnellen, passenden und ohne Zugkraftunterbrechung agierenden Schaltvorgängen. Einzig Schaltpaddel am Lenkrad würden dem Mini noch besser zu Gesicht stehen und den sportlichen Charakter unterstreichen.
Wer jedoch wirklich ein untraditionelles Automatikgetriebe in seine Kaufentscheidung mit einbezieht, der sollte lieber zum angeboten Sportautomatikgetriebe greifen. Dieses bietet noch einmal verkürzte Schaltzeiten und eben die wünschenswerten Schaltpaddel.IMG_4405

Beim sportlichen Auftreten haben die britischen Münchner der 3. Minigeneration auch wieder alle guten Gene vom Vorgänger mitgegeben und diese noch einmal etwas verbessert. Allerdings muss ich sagen, dass mir das Fahrverhalten des Vorgängers etwas besser gefällt, da sich dieser leichtfüßiger anfühlt.
Die Ursache dürfte hier vor allem in der neuen, erwachseneren Abstimmung des Fahrwerks liegen. Mini wollte hier zwar die sportliche Kurvenhatz auf der häuslichen Kartbahn beibehalten, jedoch sollte der Alltagskomfort deutlich bekömmlicher werden.
Dafür wurde nun erstmals ein adaptives Dämpfersystem gegen Aufpreis eingeführt. Leider ohne großen Erfolg, wie ich sowohl im Hachback als auch im neuen 5-Türer nun feststellen konnte.
Im komfortablen „GREEN“ und „Normal“ Modus spricht die Federung zwar einen Hauch sensibler an, aber Querfugen und Löcher in der Straße, überrumpelt der Mini selbst mit den kleinen 16″ Winderrädern unsanft. Wer dann noch in den „SPORT“ Modus wechselt, wird von einem nochmals härteren, aber ein dafür etwas direkter ansprechenden Fahrwerk empfangen. Schläge werden nun jedoch direkt in den Rücken weiter gereicht, wenn die Dämpfung der formidablen Sportsitze nicht mehr ausreicht.
Im Vergleich zu Systemen der Premiumkonkurrenz ist die Spreizung zwischen den einzelnen Modi beim Fahrwerk sehr gering.
Doch gerade weil das Fahrwerk so eingeschränkt alltagstauglich ist, ist es eben auf der anderen Seite so besonders sportlich. Der Mini lässt sich wie kein zweiter um Biegungen jeglicher Art zwirbeln, dass den Mitfahrern schnell übel wird. Gefühlt im 90° Gradwinkel biegt der Fahrer bei jeder engen Kurven ab, ohne dabei auch nur einen Hauch von Angstschweiß auf der Stirn zu haben. Nein, anstatt des Anflugs von Furcht, wächst viel mehr das Grinsen im Gesicht desjenigen, der hinter dem sportlich dicken Lederlenkrad sitzt und den Mini präzise durch die Kurve führt.
Die Karosserie neigt sich bei der schnellen Kurvenhatz praktisch nicht und lange liegt der Mini da noch neutral, wo die Wettbewerber schon über die Vorderräder zum Kurvenrand rutschen oder aber ihnen das ESP die Zügel anzieht. Der Brite bleibt hier aber ganz Gentleman und vermittelt stets Sicherheit und eine perfekte Rückmeldung über die Lenkung. Erst wer es komplett übertreibt und versucht der Physik ein Schnippchen zu schlagen, der wird sanft vom DSC (ESP bei Mini) ruhig und gelassen wieder auf den rechten Weg geführt. Auch mit deaktiviertem Schutzengel bleibt der Mini immer gut beherrschbar und hilft bei spontanen Lastwechseln mit einem mitlenkenden Heck, den richtigen Weg zu fahren.IMG_4395

Spätestens nach einem dieser Ritte über eine kurvenreiche Landstraße, weiß man auch wieder, warum man sämtliche Schwächen des Mini wohlwollend in Kauf nimmt. Denn kein anderes Fahrzeug vermittelt so viel Fahrspaß in dieser Fahrzeugklasse wie dieser bayuwarische Brite.
Günstig ist der Spaß aber leider absolut nicht, denn wer zum hier gefahrenen 5-Türigen Mini Cooper SD greift und dann noch der seitenlangen Aufpreisliste erliegt, der wird schnell mit dem Preis eines gut ausgestatteten Mittelklassefahrzeugs bestraft …
Doch Spaß kostete schon immer etwas mehr…

Mini Cooper SD

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Technische Daten des Mini Cooper SD 5-Türer

Motor 2,0l 4-Zylinder Turbodiesel
Leistung 170PS // 360Nm
0-100km/h 7,4 s
Topspeed 223 km/h
Listenpreis Testwagen 38.630€

Hier unser Vergleichstest zum Mini Cooper S 3-Türer und Mini Cooper SD 5-Türer

Comments (4)

  1. Peter Goger

    Hallo,würde gerne den Bremsweg aus 100 km/h der beiden wissen, finde leider nichts hierzu im Web.
    Bravo! Prima Test! 🙂

    • Ubi

      Die Bremswege der Minis liegt im Bereich 35-36m. Bei unseren Testfahrzeugen waren Winterräder aufgezogen, welche den Bremsweg bei wärmeren Temperaturen natürlich negativ beeinflussen. Darum sind Bremswegermittlungen auch meist eher ein Momentzustand und kann nicht auf jedes Modell und vor allem auf jeden Reifen übertragen werden. Auch die äußerlichen Bedingungen (Regen, Fahrbahnbelag und Temperatur) spielen stets eine Rolle.

  2. pahei42@arcor.de

    Bestimmt ist der Mini ein prima Auto, ist ja auch von BMW, genau so wie jeder Audi ein super Auto ist. Eines amüsiert mich aber doch bei (zb. Opel)
    anderen Herstellern wird oft über die Knöpfe Flut berichtet so doll aufgeräumt sieht das Cockpit des neuen Mini im vergleich zu meinem Mini Baujahr 73 nicht aus.

    • Ubi

      Ich gebe dir vollkommen recht. Die Schalterflut nimmt leider meist immer mehr zu, oder aber es wird oft zu viel weg rationalisiert, wie etwa beim Peugeot 308. Hier wurde sogar das Klimabedienteil eingespart und in den Multimedia-Touchscreen integriert.
      Bei der immer mehr zunehmenden Anzahl an Systemen und Bedienelementen ist eben wichtig, dass der Hersteller einen guten Mix findet. BMW hat dies schon recht gut gelöst und Opel macht dies auch zunehmend besser. Die asiatischen Hersteller hingegen bauen leider immer noch zu viele Schalter ein.
      So schöne Cockpits wie in den 50er – 80er Jahren wird es nicht mehr geben 😉

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