Kia Niro Eco Hybrid im Test – Was kann der kleine Vollhybrid?

Seit 2016 gibt es den KIA Niro, ein Fahrzeug mit zukunftsweisendem Hybrid-Antrieb.
Derartige Fahrzeuge werden von einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor angetrieben. Der E-Motor wird von einer Batterie gespeist, die nicht an der Steckdose aufgeladen werden kann (das wäre sonst ein Plug-in-Hybrid), sondern  nur während der Fahrt vom Fahrzeug selber.

Ich war sehr gespannt, wie sich dieses Fahrzeug fährt und ob dieses Konzept auch ökonomisch und wirtschaftlich interessant ist.  Vorteil eines Hybrid-Fahrzeugs: Man kann zeitweise mit Elektromotor fahren ohne das Auto nachts an eine Steckdose hängen zu müssen.
Nachteil: Die Batterie ist deutlich kleiner und leichter als beim reinen E-Fahrzeug und man kann den Hybriden nur im niedrigen Last- und Geschwindigkeitsbereich und auch nur für sehr kurze Strecken rein elektrisch fahren.

Da ich eine Tour durch die Tschechei geplant hatte, durfte sich der Niro sowohl auf engen Landstraßen als auch auf der  Autobahn und in keinen Städten austoben.
Beim „Starten“ des Hybriden vermisse ich eine akustische Reaktion wie den Anlasser oder gar einen brummend laufenden Verbrennungsmotor. Lediglich ein Zeiger im linken Bereich des Armaturen-brettes springt leicht nach oben und signalisiert so die Betriebsbereitschaft. Erst nach Betätigung des Gaspedals springt der Benzinmotor an oder der Elektromotor übernimmt das Anfahren. Wer von beiden nun der erste ist hängt davon ab, wie voll die – mit 1,56 kWh recht kleine Batterie – geladen ist, wie viel die Betriebstemperatur beträgt und wie kräftig man aufs Gaspedal tritt. Da ich das Gaspedal beim Anfahren recht sanft betätigte, fährt mein Niro rein elektrisch aus der Parkbucht und braucht auch auf den ersten Metern keine Unterstützung seitens des Verbrenners. Den Nachbarn wird’s sicher freuen wenn der Kaltstart des Verbrenners ausbleibt und für die Luftqualität in Wohngebieten ist es auch gut, wenn man emissionsfrei in Richtung Stadtring verschwinden kann. Wie eingangs erwähnt, ist es beim Niro von Vorteil, wenn man einen sensiblen Gasfuß hat und beim Fahren ein wenig mitdenkt. Wenn man vorausschauend denkt und beim Zufahren auf rote Ampeln oder ein Stauende rechtzeitig und behutsam bremst, bietet man dem Antrieb ideale Bedingungen, um beim Bremsvorgang viel Energie in die Batterie zu pumpen um sie beim Anfahren wieder abrufen zu können. Das klappt dann besonders gut, wenn man während einer langen Talfahrt nur leicht über den Generator bremst so möglichst lange Energie in die Batterie pumpt. Positiver Nebeneffekt:  die mechanische Bremse wird bei leichten bis mäßigen Bremsvorgängen geschont und somit auch der Geldbeutel beim Service der Bremsklötze.

Wer sich mit der Arbeitsweise des Hybridfahrzeuges vertraut macht, kann mit dem Niro sehr wirtschaftlich unterwegs sein. Bei meinem Fahrprofil aus 50% Autobahn, 40% Landstraße und 10% Stadt verbrauchte ich bei moderater Fahrweise 4,6 l/100km Benzin und bei forcierter Fahrtweise lag ich immer noch knapp unter 5 l/100km. Ganz ordentliche Werte wie ich meine für ein Fahrzeug, welches zur trendigen Kategorie der Kompakt-SUV gehören mag. Prinzipiell ist es allerdings viel mehr ein normales Kompaktmodell mit etwas erhöhter Sitzposition.

Der Niro erfreut durch seinen bequemen Einstieg sowohl für Fahrer als auch Beifahrer, seine leicht erhöhten Sitzflächen, den ordentlichen Stauraum im gut zugänglichen Heck und eine ungehinderte Sicht nach vorne ohne extrem breite A-Säulen wie einige Vans.

Das Interieur sieht und fühlt sich hochwertig an, der Armaturenbereich ist ergonomisch geformt und es gibt genügend und vor allem praktisch gestaltete Stauräume. Zum entspannten Reisen trägt das leise Fahrgeräusch bei. Selbst wenn der Verbrenner läuft, bleibt es im Innenraum angenehm ruhig. Erst wenn man dem Niro viel Kraft abverlangt, was beim Überholen am Berg oft der Fall ist, dann wirkt der Benziner rasch angestrengt und wenig souverän. Hier würde ich mir einen Hubraum stärkeren Grundmotor wünschen, der die Power lockerer aus dem Ärmel schüttelt. Die im Prospekt stehen 265 Nm habe ich nicht gefühlt – beim Anfahren würde ein größerer Motor (1,8 bis 2,0 ltr) dem gut tun. Den Verbrauchsnachteil eines etwas größeren Motors würde ich gerne in Kauf nehmen, wenn der Antrieb dadurch etwas weniger angestrengt und souveräner wirken würde.

Seine Trumpfkarte ausspielen kann der KIA Hybrid im Stau, indem man beim Anfahren und im Schritttempo den Verbrenner schonen und rein elektrisch fahren kann. Das schont Motor, Verbrauch, Verschleiß und Nerven. Leider ist die Batteriekapazität mit 1,56 KWh sehr klein, sodass rein elektrisches Fahren sehr selten stattfindet. Man kann das wunderbar verfolgen, wenn man im Cockpit das Display Energiefluss einblendet. Für den einen Spielerei, für den anderen ein interessanter Einblick in die technischen Abläufe beim Fahren mit der Möglichkeit, die eigene Fahrweise ökonomisch auszurichten oder gar zu optimieren.

                

Mir hat der KIA Niro jedenfalls Spaß gemacht, weil ich bequem von A nach B kam, komfortabel sitzen konnte und nebenbei ein umwelttechnisch gutes Gewissen hatte. Der Tankwart wird mir hoffentlich nicht böse sein . . .

                

Technische Daten zum Kia Niro:

Antrieb

1,6 l Vierzylinder Benziner + Elektromotor

Leistung (Benziner / E-Motor / System)

105 PS / 43,5 PS / 141 PS + 265 Nm

Batteriekapazität

1,56 kWh

Getriebe

6 – Stufen Doppelkupplungsgetriebe

0 – 100 km/h

11,5 s

Vmax

162 km/h

Kofferraumvolumen

436 – 1.434 Liter

Verbrauch lt NEFZ

3,8 l/100km ( 88 g/km CO2 )

Testverbrauch

4,6 l/100km

Listenpreis Testwagen

30.720 Euro

Hier gehts zur Mitfahrt im Kia Niro:

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