Infiniti Q30_003

Schon einmal von der Marke Infiniti gehört?!
Nein, dann sollten wir dieses doch einmal ändern. Grund dafür, das neue Kompaktmodell der US-Automarke, die eine Tochter von Nissan ist. Seit 2008 ist Infiniti auch auf dem europäischen Markt angekommen, bislang aber weniger erfolgreich. Dies will man nun ändern und die sportlich orientierten Modelle auch in Deutschland verstärkt als Konkurrenten zu Audi, BMW und Mercedes aufstellen.

Doch wie gestaltet sich solch ein Vorhaben am sinnvollsten?
Damit ein Fahrzeug gut ankommt, braucht es hierzulande bekanntlich gute Gene und vor allem ein besonderes Image. Dieses haben sich die Damen und Herren von Infiniti in den USA und in Russland schon erarbeitet. Dort steht die Marke bereits für sportliche und hochwertige Modelle.

Infiniti Q30_002Für einen erfolgreichen Start in Deutschland braucht es natürlich ein Volumenmodell und dazu bietet sich schon einmal die „Golf-Klasse“ an. Doch wer hier hochwertige Modelle anbieten möchte, der muss sich schon kräftig strecken. Der Golf ist eine Macht und die Premium Mitbewerber aus Ingolstadt, München und Stuttgart können mit dem besagten Image noch einmal punkten.

Nun gehen die „japanischen“ Amis mit dem neuen Infiniti Q30 und QX30 auf den deutschen Markt. Doch die Modelle sind im Vergleich zu anderen Bewerbern keine komplette Neuentwicklung, was natürlich beträchtliche Kosten spart. Infiniti hat sich hier einer sehr soliden Basis bedient, von der man praktisch die gesamte Fahrzeugarchitektur samt Technik und Antriebsstrang übernommen hat.
Damit der Premium Anspruch auch solide umgesetzt werden kann, ist der Infiniti der Zwillingsbruder des Mercedes GLA! Ja, ihr habt richtig gelesen, der Infiniti Q30 ist eigentlich ein Mercedes GLA.

Infiniti Q30_007Vom Außendesign her kann man überhaupt keine Parallele zum GLA erkennen.
Der Infiniti Q30 hat eine sehr eigenwillige, progressive und bullige Form. Seine schlitzförmigen LED-Scheinwerfer schauen einen wie ein mächtiges Reptil an. Ein riesiger, markentypischer Kühlergrill dominiert die Front mit dem großen Infiniti-Logo, welches stolz mittig auf diesem prangt. Wer Parallelen zu einem ähnlichen Design ziehen möchte, dem fällt hier vllt. der Mazda CX-3 ein mit seinem sehr eckigen KODO Design. Die Silhouette mit der leicht abfallenden Dachlinie sorgt zusätzlich für einen sportlichen Touch, ebenso wie die bullig ausgestellten Seitenschweller. Als besonderen Augenschmaus haben die Designer einen Z-förmigen Knick in die Fensterumrahmung eingebaut. Diese wurde dann auch in den flacher geneigten Heckdeckel integriert. Das Gesamtpaket ist ein wildes Zusammenspiel aus konvexen und konkaven Linien, wodurch in meinen Augen ein optisch sehr interessantes Fahrzeug vor mir steht.

Infiniti Q30_001Sobald man dann den Schlüssel in den Händen hält, dämmert dem ein oder anderen schon, dass hier viele Bauteile von Mercedes-Benz übernommen wurden. Der bartlose Infrarotschlüssel etwa ist ähnlich dem Original, nur flacher und mit anderen Bedientasten ausgestattet. Also den Q30 entriegeln und ab ins Fahrzeug.
Einmal Platz genommen ist spätestens jetzt jedem klar, dass er eigentlich in einem Mercedes sitzt, der einfach nur eine andere Karosserie aufgesetzt bekommen hat. Das Interieur ist stark geprägt von typischen Mercedes GLA Elementen wie der elektrischen Parkbremse, dem Lichtschalter, den Bedieneinheiten oder den Fensterheberschaltern samt Türtafeln. Das Lederlenkrad und auch das Kombiinstrument wurden praktisch unverändert übernommen.
Klar – „was gut ist, soll bleiben und den Rest machen wir halt besser“.
So oder ähnlich könnte man es am sinnvollsten ausdrücken. Denn der ursprünglich aufgesetzte Monitor wurde kurzerhand rausgeworfen und ein eigener Touchscreen fachgerecht und sauber in den Armaturenträger eingesetzt.

Sorry liebe Mercedes-Leute, aber Infiniti hat hier einen besseren Job gemacht!

Infiniti Q30_005Auch was die Haptik angeht, wirkt der Q30 ein klein bisschen hochwertiger. Der Grund liegt im mit Kunstleder bespannten Armaturenträger. Statt billige Zierleisten zu integrieren, wurden diese einfach mit Handflächen schmeichelndem Mikrofaserstoff überzogen, ebenso wie der schwarze Dachhimmel. Alleine dadurch steigt die haptische Anmutung in ihrer Wertigkeit gegenüber dem Zwillig Mercedes GLA merklich an.
Zusätzlich hat man sich bei Infiniti dafür entschieden, den Automatikwählhebel nicht hinter das Lenkrad zu verfrachten, sondern ihn auf den Mitteltunnel zu setzen. Dazu bediente man sich auch kurzer Hand bei dem Bedienfeld der AMG-Modelle und setzte nur einen neuen Knauf darauf. Super !
Die Integral-Sportsitze entstammen auch dem Stuttgarter Zwillingsbruder und sorgen hier wie da für einen guten Seitenhalt und hohe Langstreckentauglichkeit.

Das angesprochene Multimediasystem konnten die Infiniti Leute aber scheinbar nicht verbessern. Zwar setzen sie hier zusätzlich auf die Bedienung via Touchscreen, die Menüführung hingegen verwirrt stark. Zudem reagiert der Controller auf der Mittelkonsole bisweilen schon auf leichte Berührungen, wie etwa einem Ärmel. Hier hätten die Amis ruhig noch das Garmin-System samt Mercedes-Bedienkonzept übernehmen dürfen.

Infiniti Q30_008Was sie jedoch übernommen haben, ist der komplette Antriebsstrang. Alle von Infiniti angebotenen Motoren und Getriebe entsprechen dem Angebot von Mercedes-Benz. In der Basis kommt der Infiniti Q30 mit einem 1,6 l 4-Zylinder Turbobenziner und 90 kW (122 PS) daher.
Unter Haube meines sportlich orientieren Infiniti Q30 S hingegen arbeitet die stärkste Dieselmotorisierung. Der 2.2d genannte 2,1 l Vierzylinder Bi-Turbodiesel stammt aus dem GLA 220d, leistet im Infiniti aus Markenschutz jedoch nur 125 kW (170 PS) anstatt 130 kW (177 PS) wie im Benz.
Die Kraft wird mithilfe des Mercedes 7-Gang DCT (Doppelkupplungsgetriebe) an alle 4 Räder geleitet. Im Idealfall soll damit der Standardsprint in 8,3 s erledigt sein und die Höchstgeschwindigkeit bei 215 km/h liegen.

Doch viel wichtiger als die reinen Papierwerte ist bekanntlich der Fahreindruck in der Praxis. Dieser ist positiv, offenbart aber schnell ein eher zurückhaltendes Temperament. Dies überrascht besonders deshalb, weil der Motor im Mercedes mit einem kräftigen Antritt überzeugt. Im Infiniti hingegen wirkt er in seiner Leistungsentfaltung gehemmt. Träger und unwilliger schiebt der Motor trotz 350 Nm den gut 1,6 t schweren Q30 S voran. Auf der Autobahn führt dies dann dazu, dass ihm bereits knapp oberhalb von 160 km/h die Puste ausgeht und er sich nur noch mit größerem Anlauf auf über 200 km/h treiben lässt.
Was die Laufkultur des 2,1 l Triebwerks angeht, so kann dieser größtenteils überzeugen. Allerdings haben ihn die Techniker von Infiniti nicht so sauber Geräusch-gedämmt, wie dies die Schwaben im Zwillingsbruder umgesetzt haben. So läuft der Q30 2.2d akustisch präsenter und mit merklicheren Vibrationen. Diese sind besonders im Stand und beim Rangieren deutlicher vernehmbar.

Infiniti Q30_004Das 7-Stufen Doppelkupplungsgetriebe arbeitet zwar mit schnellen, zugkraftfreien Schaltvorgängen, aber nicht sonderlich harmonisch. Die Schaltvorgänge sind deutlich spürbar und im Sportmodus mit einer gewissen Nervosität verbunden. Hier wirken die manuellen Eingriffe mittels Schaltpaddels deutlich besser, um flott voran zu kommen.

Wer flott fährt, erwartet normalerweise auch einen besonderen Aufschlag beim Thema Verbrauch. Doch an dieser Front gibt es positiv zu vermelden, dass der Q30 2.2d mit einem errechneten Verbrauch von 6,3 l/100km angenehm genügsam ist. Zumal man hier nicht vergessen darf, dass der Q30 noch über einen permanenten Allradantrieb verfügt.

Wie war das doch noch gleich – man wollte hochwertige und sportlich orientierte Modelle bringen?!
Ok, dann ab auf die Landstraße mit dir, mein Freund. Dort zeigt der 2.2d dann schnell, dass er sich hier wie zuhause fühlt. Der Wagen durcheilt flott gefahrene Biegungen mit geringer Seitenneigung und Infiniti Q30_010einem lange neutral bleibendem Fahrverhalten. Erst wenn man es deutlich übertreibt, schiebt er gut kontrollierbar über die Vorderachse zum Kurvenrand hinaus. Korrekturen nehmen dann entweder das spontan und sanft regelnde ESP oder ein leicht gelupftes Gaspedal durch des Fahrers Fuß vor. Trotz der guten Fahrwerksauslegung will jedoch kein echtes, sportliches Fahrgefühl beim Fahrer aufkommen.
Woran liegt das ?
Eindeutig an der Lenkung – dieser fehlt es leider an jeglicher Rückmeldung. Es fällt schwer, eine saubere Linie zu fahren, da immer wieder Lenkkorrekturen vorgenommen werden müssen. Ein weiterer Knackpunkt sind die zu hohen Lenkwinkel, die bei zügigen Richtungswechseln zu sehr viel Arbeit hinter dem Lederlenkrad führen.

Gut, sportlich ist er also nicht so recht, aber wie steht es um das Thema Komfort?
Ordentlich.
Insgesamt kommt der Q30 recht steifbeinig daher. Den Vorteil des neutralen Fahrverhaltens und der schönen 19 Zoll Räder erkauft man sich nun mit einem eingeschränkten Federungskomfort. Schlucken die Feder-/Dämpferelemente mittlere Unebenheiten und Kopfsteinpflaster recht gut, sieht dies bei kurzen Stößen anders aus. Tiefliegende Kanaldeckel etwa führen zu einem spür- und hörbaren Schlag. Wer also öfters auf schlechten Straßen unterwegs ist, sollte zumindest kleinere Räder ordern.

Kurz und schmerzlos zusammengefasst bleibt festzuhalten?!
Der Infiniti Q30 ist der schönere Mercedes GLA. Er wirkt deutlich attraktiver was das Exterieur angeht und hochwertiger im Innenraum. Der Feinschliff des Benz fehlt ihm jedoch, was sich gerade im Bereich des Fahrwerks und dem Antrieb zeigt.
Ob einem dieser Feinschliff jedoch den Mehrpreis von ~ 5.000 € Wert ist, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls würde mich für den hübscheren der beiden entscheiden 😉

Infiniti Q30_009

Infiniti Q30_006

Hier könnt ihr selbst ein Runde mit dem Infiniti Q30 S 2.2d AWD drehen:

Weitere Meinungen aus der Blogger-Welt zum Infiniti Q30:

Motoreport konnte sich ebenfalls für die hervorragende Kooperation von Infiniti und Mercedes beim Infiniti Q30 begeistern. Bei ihnen standen zur Testfahrt sowohl der Einstiegsbenziner, als auch der Top-Benziner zur Verfügung.
Test bei Motoreport

Björn von Mein-Auto-Blog ist sich ebenfalls sicher, dass der Infiniti Q30 der Marke den nötigen Schwung und Bekanntheitsgrad in Deutschland verschafft.

 

Comments (8)

  1. […] Infiniti Q30 S 2.2d AWD ? der schönere Mercedes, gefunden bei ubi-testet.de (2 Buzz-Faktor) […]

  2. Der Wagen ist einfach klasse!
    Ich möchte das Auto fahren. Seine Leistungen sind auch in Ordnung. Ehrlich gesagt würde ich mich für ihn entscheiden, wenn ausreichend viel Geld dafür hätte. Sein Design kommt bei mir ganz gut an.
    LG

    • Hallo Marco,
      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      In der Tat würde ich mich vermutlich auch auf Grund des tollen Exterieur Designs für den Lexus anstatt des Mercedes entscheiden. Denke der 211 PS Benziner dürfte hier auch eine besonders gute Motorwahl sein. Den Allradantrieb benötigt der Q30 in meinen Augen nicht unbedingt.
      Hattest du schon einmal vorher von der Marke Infiniti gehört?

      Beste Grüße,
      Ubi

      • Christoph

        Sehr schöner Testbericht über ein tolles Auto. Ich habe ihn als 2,2 Diesel ohne Allrad bestellt und erwarte ihn in rd. 3 Wochen. Hatte mich eigentlich schon für einen GLA 220 CDI entschieden. Doch Design (innen und außen) sowie Preis bei Vollaustattung (ca. 10.000 € günstiger) haben mich dann vollends überzeugt.

        • Hallo Christoph,
          Danke für dein Lob zum Bericht. Das freut mich zu hören.
          Mit dem Q30 hast du wirklich ein tolles Fzg bestellt. Die Qualität spricht definitiv für sich. Wie auch richtig gesagt hast, ist der Q30 sogar billiger als der GLA, wenn man die Ausstattungen vergleicht. Auch die Wahl ihn ohne Allrad zu bestellen dürfte dir zu Gute kommen, da der Motor dann wesentlich spritziger u das Handling leichtfüßiger sein sollte.
          Ich würde mich freuen wenn du mir noch verraten würdest, was du an wichtigen Extras bestellt hast u welche Farbkombination.

          Gruß,
          Ubi

          • Christoph

            Hallo Ubi,
            Habe den Premium Tech genommen, da im Sport einige der nachstehend bestellten Optionen nicht erhältlich sind.

            Graphit Shadow Metallic
            19 Zoll 5-Doppelspeiche
            Leder Graphite
            Premium Audio Bose
            Panorama Glasdach
            Privacy Verglasung hinten
            InTouch Navigationssystem
            Sicherheitspaket

            Grüße aus Hamburg!

          • Na das klingt doch ziemlich gut. Optisch dürfte er dann meinem Testfahrzeug sehr ähneln. Tolle Kombination.
            Vor allem sorgt der Q30 für ordentliches Aufsehen, die Blicke zieht er in jedem Fall auf sich 🙂

            Gruß Ubi

  3. […] Wer einen Mercedes GLA sucht, sollte den Infiniti Q30 kaufen. – Matthias Gill, Blogger auf ubi-testet.de über den Infiniti Q30 […]

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