Roadster sind Fahrzeuggattungen mit ganz besonderen Ansprüchen an Fahrspaß und Lebensfreude. Italien und seine Produkte passen da doch wie der Vino zur Pasta, und somit ist es für einen italienischen Fahrzeughersteller auch fast schon Pflicht sich ein solch sportliches Frischluftfahrzeug ins Sortiment zu nehmen. Da der König aller Roadster jedoch aus dem Land der aufgehenden Sonne stammt, ist es nur naheliegend sich hier bei der Erstellung eines erschwinglichen Roadsters assistieren zu lassen.
Herausgekommen ist ein Mazda MX-5, der durch Fiat optisch umgestaltet und beim hauseigenen Tuner Abarth verfeinert wurde. Das Endprodukt hört dann auf den ausladenden Namen Abarth 124 Spider.

Der Abarth 124 Spider ist auf den ersten Blick bereits vom herkömmlichen Fiat 124 Spider zu unterscheiden, denn der Abarth trägt Kriegsbemalung. Eine matte Motorhaube, rote Applikationen an Schütze und Außenspiegel, sowie am und im gesamten Fahrzeug verteilte Abarth-Logos. Der schmale, perfekt sitzende Innenraum ist übersichtlich und schlicht gestaltet ohne jedoch moderne Annehmlichkeiten wie Leder, Sitzheizung, DAB-Radio oder (optional – als Zubehör!) ein Navigationssystem vermissen zu lassen. Den besonderen Unterschied zum schnöden Fiat 124 spannt der der Abarth 124 Spider mit Alcantara-Elementen am Dashboard oder der Mittelkonsole oder der Bi-Color Lederausstattung samt 12Uhr-Markierung am Sportlenkrad.

Da meine Statur nicht Mario Girotti (Terence Hill) sondern eher Carlo Petersoli (Bud Spencer) gleicht, gilt es sich möglichst unauffällig ins Fahrzeuginnere zu schälen. Haben sich die klaustrophobischen Zuständen nach dem schließen der Fahrzeugtür gelegt, weicht das Engegefühl der Erkenntnis sich perfekt ins Fahrzeug integriert zu fühlen. Das kleine dünne Sportlenkrad liegt ebenso gut zur Hand wie der kurze Schaltknauf des Handschaltgetriebes. Der 7 Zoll große Multimedia-Bildschirm sorgt für den modernen Flair, den die analogen Instrumente mit zentralem, riesigen Drehzahlmesser vermissen lassen.

Das wir uns nicht in einem Alltagswagen befinden, wird jedem Passagier im Abarth 124 Spider schnell klar, wenn die Rundumsicht gegen Null tendiert, die Ablagefächer nicht vorhanden sind und auch die Geräuschdämmung kaum vorhanden ist. Also befreit man sich am besten aus dem Alltag mit einem Griff an den Ent- und Verriegelungshebel des manuellen Verdecks. Innerhalb von 5 Sekunden ist das Verdeck hinter die Kopfstützen geworfen und mit ihm auch sämtliche Vorurteile gegenüber der etwas rustikalen Materialanmutung des Fahrzeugs.

Mit dem Druck auf den Startknopf erwacht ein 1,4 l Vierzylinder Turbomotor unter der matt schwarzen Motorhaube, der aus dem Hause Fiat stammt und im Abarth 170 Pferdestärken bereitstellt. Doch viel imposanter als die Leistungsdaten (6,8s auf Tempo 100km/h // Vmax 232km/h) ist jedoch der rennsportliche Klang der Monza Abgasanlage. Fast schon errötend sitz der Fahrer mit einem riesigen Grinsen hinter der steil stehenden Windschutzscheibe und gibt kurze Gasstöße. Dieses kindliche Spiel mit dem Gaspedal hält ein göttliches Klangbild aus Bellen, Brüllen und Knallen parat, welches man so einzig von Supersportlern ab Werk kennt.

Also Sicherheitsgurt anlegen, die Kupplung treten und den 1. Gang satt und knackig einrasten lassen. Mit leichten Gasstößen beim Rangieren halten wir nicht nur den Motor, sondern unsere Umwelt auf Trapp. Das Anfahren erfolgt bei trockener Fahrbahn problemlos, während bei feuchtem Straßenbelag ein zaghaftes Gasfüßchen gefragt ist um ein durchdrehen der Antriebsräder an der Hinterachse zu vermeiden.
Ist das Anfahren aber einmal hinter sich gebracht, ist auch an ein weiteres Verzögern oder gar Stehenbleiben nicht mehr zu denken. Zwar verzögert die Brembo Bremsanlage vorzüglich und mit tollem Druckpunkt, aber das Durchbeschleunigen und Lauschen der Monza-Abgasanlage ist einfach nur herrlich. So sieht Freizeitbeschäftigung für Automobilfans aus!

Der Vierzylinder Turbomotor hat mit dem leichten Roadster dank eines Leistungsgewichts von hervorragenden 6,2 kg/PS leichtes Spiel. Dennoch stört leider eine deutliche Anfahrschwäche im unteren Drehzahlbereich. So bleibt der perfekte Arbeitsbereich in einem turbotypischen, engen Betriebsfeld von 2.000 – 5.500 U/min. Das durch die enge Abstufung des 6-Gang Handschaltgetriebes häufige Schaltwechsel erforderlich sind, ist hier absolut gewünscht zumal kaum ein anderes Getriebe präziser und knackiger arbeitet als diese Schaltbox. Das optional erhältliche Automatikgetriebe erscheint hier ganz schnell als Frevel gegenüber dieser Fahrzeuggattung und ist auch ohne Probefahrt nicht zu empfehlen.

Ganz klare Empfehlung geht hingegen an eine Route mit möglichst kurvigem Streckenverlauf. Genau auf solchen Strecken und Pässen zeigt dir der Abarth 124 Spider wie hervorragend italienische Leidenschaft und japanische Präzision vereint werden können. Das im Abarth verbaute Bilstein-Fahrwerk samt mechanischer Differenzialsperre sorgt für ein absolut stabiles Fahrverhalten bei sportlichen Kurven mit hohen Querbeschleunigungswerten. So sind Traktionsprobleme bei Trockenheit kein Thema, während bei nassem Untergrund das Gripniveau im Fahrbetrieb zwar hoch ist, bei Einsetzen des Turboladers samt vollem Drehmoment von 250 Nm das Heck gerne spontan ausbrechen lässt. Während ungeübte Fahrer dank sportlicher ESP-Auslegung so leichte Heckschwänzler provozieren können, darf ein geübter Fahrer die Fahrhilfe komplett deaktivieren und den Querdynamiker im Abarth 124 Spider entdecken. Die sehr direkte und präzise Lenkung sorgt dabei für perfekte Kontrolle und Rückmeldung bei provozierter Querfahrt oder aber dem flotten Umsetzen des Fahrzeugs in schnell gefahrenen Wechselkurven.

Soll es aber doch einmal schneller von A nach B gehen sind meist Autobahnen das Mittel zum Zweck. Genau so sieht es auch der Abarth 124 Spider. Zwar läuft er sauber geradeaus und liegt auch bei schnellen Passagen ruhig und satt auf der Straße, die Windgeräusche hingegen nerven schnell und sorgen automatisch für ein Abfahren nach einigen Kilometern.
Beim Stadtverkehr bietet sich dem Nutzer ein ähnliches Bild. Klar, der Abarth bewegt sich hier problemlos hindurch, will sich aber nicht so recht in dieses Umfeld einfügen. Das Fahrwerk bietet einen erstaunlich hohen Restkomfort, der durch üble Frostaufbrüche getrübt wird. Sollte man aber eine scheue Natur sein, sollte man auch dank des auffälligen Sounds der Abgasanlage größere Menschenansammlungen meiden. Freunde der gepflegten Show hingegen, werden das Sonnenbad und die Aufmerksamkeit der umliegenden Mitbürger genießen.

Wer den Abarth 124 Spider genießen will, der sollte neben eben dieser Portion Selbstbewusstsein auch ein gut gefülltes Bankkonto mitbringen. Denn während der 140PS-Fiat 124 Spider bei schlanken 24.990 Euro startet, verlangt der Werkstuner stolze 40.000 Euro in der Basis verlangen. Zwar erhält der Kunde bei Abarth ein auffälliger gestaltetes Exterieur, das spezielle Sportfahrwerk von Bilstein samt Brembo Bremsanlage und der betörenden Monza-Abgasanlage, jedoch ist die Leistungssteigerung um 30 PS doch recht gering. Das dann noch nicht einmal das im normalen Fiat 124 Spider erhältliche Navigationssystem beim Abarth nur über den Zubehörhandel erhältlich ist, scheint da schon etwas sinnbefreit.
Doch wer einmal vom Scorpion des Abarth gestochen wurde, der wird vermutlich die knapp 45.000 Euro des Testfahrzeugs gerne bereit sein zu investieren. Denn mit dem Abarth 124 Spider bekommt man einen Roadster nach alt bekanntem Muster und einen puren Fahrspaß, wie ihn sonst kaum ein Modell in dieser Preisklasse zu bieten im Stande ist.

 

 

Datenblatt zum Abarth 124 Spider:

Motor

1,4 l Vierzylinder Turbobenziner

Leistung

125 kW ( 170 PS ) // 250 Nm

Getriebe

6 – Gang Handschaltung

0 – 100 km/h

6,8 s

Vmax

232 km/h

Testverbrauch

7,4 l/100km

Testwagenpreis

44.660 Euro

 

Hier gibt’s nicht nur was für’s Auge sondern auch für die Ohren – Die Mitfahrt im Abarth 124 Spider

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